Silvesterkonzert 1990 mit Mstislaw Rostropowitsch

»Mstislaw Rostropowitsch«, war im Programmheft des Silvesterkonzerts 1990 zu lesen, »ist eine universelle Künstlerpersönlichkeit. Er gilt als der bedeutendste Cellist unserer Zeit«. In diesem Konzert sorgte Rostropowitsch auch als Dirigent gemeinsam mit dem Geiger Wladimir Spiwakow, der hier sein philharmonisches Debüt gab, und dem Bratscher Juri Bashmet mit einem russischen Programm für einen fulminanten Jahreswechsel.

Mit seiner Fantasie-Ouvertüre Romeo und Julia schuf Peter Tschaikowsky ein Meisterwerk, das kurz vor seinem 30. Geburtstag den Grundstein für seine Weltkarriere legte: Nikolaj Rimsky-Korsakow nannte die lyrische Melodie, die die beiden Liebenden charakterisiert, eines der schönsten Themen der russischen Musik. Eingängige Melodien finden sich auch in Tschaikowskys Valse-Scherzo, einem echten Bravourstück der Violinliteratur. Auf die melancholische Walzer-Serenade folgt hier ein bewegtes Scherzo mit nicht weniger als drei Solokadenzen, die mit ihren spieltechnischen Vertracktheiten größte Virtuosität erfordern. Beim Andante cantabile handelt es sich eigentlich um den folkloristisch inspirierten zweiten Satz aus Tschaikowskys Erstem Streichquartett. Das Arrangement für Violoncello und Orchester fertigte der Komponist selbst an. Berichten zufolge rührte dieser so schlichte wie melancholische Satz, als ihn 1877 ein Quartett des Moskauer Konservatoriums spielte, Lew Tolstoi zu Tränen.

Melodien im Volkston komponierte auch Alfred Schnittke, der am gleichen Moskauer Konservatorium lehrte wie Tschaikowsky. So etwa in seinem Monolog für Viola und Streichorchester, in dem die eingängige Bratschenmelodie (stellvertretend für das Individuum) von brutalen Orchesterschlägen (der Masse) zum Schweigen gebracht wird. Auch Dmitri Schostakowitsch wurde – zumindest eine Zeit lang – zum Schweigen gebracht: mit dem berühmt-berüchtigten Prawda-Artikel Chaos statt Musik, in dem seine bisherige Erfolgsoper Lady Macbeth von Mzensk als »neurotische Musik« verunglimpft wurde. Erst lange nach Stalins Tod und in der Zeit des Tauwetters unter Nikita Chruschtschow kam das Meisterwerk als Katerina Ismailowa wieder auf die Bühne. Mstislaw Rostropowitsch hat, als er die Sowjetunion verließ, die Originalfassung mit in den Westen genommen und auf Schallplatte eingespielt. Die Zwischenaktmusiken sind in dieser ersten Version weniger eng mit den Szenen verknüpft, weshalb sie sich bestens als Suite im Konzertsaal präsentieren lassen.

Berliner Philharmoniker
Mstislaw Rostropowitsch
Wladimir Spiwakow
Mstislaw Rostropowitsch

© Cami Video 1990

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Künstler*innen

Mstislaw Rostropowitsch Violoncello
Peter Tschaikowsky Komponist
Wladimir Spiwakow
Alfred Schnittke
Dmitri Schostakowitsch Komponist

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